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„Wer nur auf das Echo in der eigenen Halle wartet, wird den Gesang der Welt draußen niemals hören.“

Die Verheißung des Neuen: Zwischen Bibelsprüchen und digitaler Überforderung

In einer Zeit, in der politische Reformversprechen und technologische Umwälzungen den Alltag prägen, wirkt die biblische Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ gleichermaßen wie ein Heilsversprechen und eine Überforderung. Wolfgang Weinrich, Chefredakteur aus Darmstadt, mahnt in einem aktuellen Diskurs zur Vorsicht gegenüber einer bloßen Rhetorik der Erneuerung. Solche Sprüche könnten einen „erschlagen“, wenn ihnen keine Taten folgen; er warnt davor, lediglich „Sprüche zu kloppen“.

Besonders deutlich wird die Ambivalenz des Neuen im Bereich der Digitalisierung. Während Orte wie Aarhus als vollkommen digitalisierte Städte voranschreiten, fühlen sich viele Bürger – insbesondere die ältere Generation – von der Geschwindigkeit der Veränderungen entfremdet. Die digitale Teilhabe werde zur Frage der staatlichen Daseinsfürsorge, doch oft bewirke das Neue eher einen Ausschluss. Weinrich betont hier die Notwendigkeit einer inneren Haltung: Es gelte, zu sortieren und sich „nicht selbst aussortieren oder aussortieren zu lassen“.

Scharfe Kritik übt Weinrich an der Institution Kirche, die sich in ihre eigene „Babbel“ zurückgezogen habe. Statt die Sehnsüchte der Menschen dort aufzugreifen, wo sie sich versammeln – etwa bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Darmstädter Turmblasen –, verharre man in überkommenen Formen und einer „verkappten alten Kirchenmusik“. Die Kirche agiere oft als „reiner Selbstzweck“ und verpasse die Chance, sich dem „Eventmarkt“ oder dem realen Leben in Kneipen und auf Plätzen zu öffnen.

Weinrichs Plädoyer ist ein Aufruf zur Neugier und zum Handeln: „Nicht zu lange fragen, dürfen wir das oder dürfen wir nicht – sondern machen“. Nur durch das Durchstoßen der eigenen Blase und eine generationenübergreifende Offenheit könne eine Gesellschaft lebendig bleiben. Erneuerung sei zwar mühsam und anstrengend, aber essenziell, um nicht wie ein „behebiger Teich“ zu stagnieren.

Man könnte sagen: „Wer nur auf das Echo in der eigenen Halle wartet, wird den Gesang der Welt draußen niemals hören.“

Digitalisierung wäre eine Chance für die Kirche

In der Digitalisierung sieht die Würzburger Hochschullehrerin Ilona Nord eine Chance für die Kirche, wie sie im Podcast Conny&Kurt ausführt. Professorin Nord hatte während der Corona-Pandemie an der internationalen wissenschaftlichen Studie Contoc mitgewirkt. Vor diesem Hintergrund sieht sie auf der Gemeindeebene eine große Bereitschaft für digitale Angebote. Allerdings bleibt nähme der Bildungsbereich seine Chance hier nicht befriedigend wahr. Doch oft fehle die Unterstützung der Vorgesetzten. Und kirchenleitend habe bei all den Problemen der Organisation eben die Digitalisierung nicht die höchste Priorität.

Menschen, Götter und Maschinen – Zu Gast: Wolfgang Huber

In seinem neuesten Buch „Menschen, Götter und Maschinen“ fordert Wolfgang Huber eine Ethik der Digitalisierung. Im Podcast bei Conny & Kurt warnt der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands vor einem „Digital gap, also einer Kluft zwischen den Teilhabern an der digitalen Revolution und den von ihr Ausgeschlossenen.“ Huber betont, dass die digitale Welt Arbeitserleichterungen erschließt, aber die letzte Entscheidung, auch bei der KI müsse beim Menschen liegen.