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Kiel-Mettenhof: Engagement gegen Rechts verstetigen

Es ist eine typische Siedlung aus den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts: Kiel-Mettenhof. Heute leben hier 20.000 Menschen, überwiegend mit Migrationshintergrund. Es ist ein grüner Stadtteil wie die Ortsbeiratsvorsitzende Kirsten Voß betont. Die Diskussion um „Remigration“, also um die Deportation von Menschen, die keinen deutschen Pass haben, fand der Ortsbeirat unerträglich und menschenverachtend.

Doch es sollte nicht bei einer Erklärung bleiben. Parteien, soziale Institutionen und Einzelpersonen schlossen sich zu einem Runden Tisch gegen Rechts zusammen. „Der Runde Tisch hilft dabei das Thema wach zu halten“, sagt Kirsten Voß. So ist geplant mit großflächigen Bannern für den Zusammenhalt zu werben. Der Slogan lautet: „Untrennbar – In Vielfalt verbunden – Mettenhof bleibt demokratisch und bunt“. Kirsten Voß hofft und vertraut darauf, dass dieses Motto die beteiligten Institutionen mit in ihre Bildungsarbeit aufnehmen.

Evangelische Frauen: § 218 muss weg

Die Evangelischen Frauen in Deutschland fordern die Abschaffung des § 218. Es gäbe „eine große gesellschaftliche Mehrheit Abtreibung zu entkriminalisieren“, sagt Antje Schrupp vom Präsidium der Evangelischen Frauen im Podcast Conny&Kurt. Dem Verband gehören 37 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt rund 3 Millionen Mitgliedern an. Die derzeitige Diskussion um Abtreibung sei Teil einer Strategie der internationalen Rechten, führt die Politologin aus. Seit den Nullerjahren versuchten rechtsextreme Gruppen dieses Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Dies sei in den USA zu beobachten. Hier habe es mit der Kampagne gegen Ärzte und Ärztinnen begonnen, die über Abtreibung aufgeklärt haben. Schließlich wurde der § 219a im Strafgesetzbuch gestrichen.

Die Evangelischen Frauen sprechen sich für eine Fristenlösung außerhalb des Strafgesetzbuches aus. Diese sollte von einem Rechtsanspruch auf Beratung ergänzt werden. Ferner fordern die Frauen eine wohnortnahe, barrierefreie, mehrsprachige, kultur- und diversitätssensibele Bildung und Aufklärung.

Mehr Geld und Waffen für die Ukraine

Der Sprecher für Europapolitik der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Tobias Utter, befürwortet angesichts der Blockade im amerikanischen Kongress ein stärkeres finanzielles Engagement der Europäischen Union. Im Podcast Conny&Kurt sagt er: „Wenn sich in Amerika nichts bewegt, dann muss das Europa machen. Und das kann auch Europa machen.“ Auch die Bereitstellung weiterer deutscher Finanzhilfen schließt der Hessische Landtagsabgeordnete nicht aus, selbst wenn man dafür die Schuldenbremse aussetzen müsste.

Utter weist auf die Bedeutung der EU auch für die Länder hin. So werde in Brüssel etwa vieles für den Flugverkehr und die Chemieindustrie geregelt. Zwei Bereiche, die für Hessen herausragende Bedeutung haben. Doch sei die EU vor allem ein Friedensprojekt. Sie stärke den Zusammenhalt.

https://youtu.be/ACbOXGiKphg

„Das größte Risiko für die innere Sicherheit sind Islamisten.“

Am Osterwochenende haben sich bis zu 400 Menschen bei einer Veranstaltung mit dem Titel „Die Gebetsstätten und das Versprechen Allahs“ in Hamburg versammelt. Veranstalter war die Gruppe Hizb ut-Tahrir (HuT). Sie ist in Deutschland offiziell verboten. Nach Einschätzung des Hamburger Verfassungsschutzes ist ihr Ziel die Errichtung eines Kalifats in Deutschland. Im Gespräch im Podcast Conny&Kurt kritisiert die Journalistin Beatrice Achterberg vom Berliner Büro der Neuen Züricher Zeitung die ungleiche Wahrnehmung extremistischer Bedrohung: „Das größte Risiko für die innere Sicherheit sind Islamisten.“ Mit dieser Feststellung soll nicht der Islam als Religion in eine extremistische Ecke gestellt werden.

Das Hamburger Salafisten-Treffen wurde kaum zur Kenntnis genommen, während Potsdamer Treffen einiger Rechter und Rechtsradikaler sehr schnell hohe Wellen schlug. „Das offenbart einen politischen Doppelstandard, wenn es um extremistische Phänomene geht“, bilanziert Achterberg.

Nicht Neues unter dem Kirchenmusik-Himmel

Er ist einer, der in den 1970er und 1980er Jahren die Kirchenmusik modernisiert hat. „Sacro-Pop meint das Heilige populär machen“, erklärt Friedrich Karl Barth im Podcast Conny&Kurt. Und mit ihren Texten und ihrer Musik sprachen sie, zu nennen sind noch Peter Horst und Peter Janssens, junge Menschen an. Vor allem war dies bei den Kirchentagen zu bestaunen, die plötzlich für die Jugend interessant wurden. Zahlreiche Lieder des 86-Jährigen haben Eingang in das Kirchengesangbuch gefunden, „Komm bau ein Haus“, „Brich mit den Hungrigen das Brot“, „Wir strecken uns nach Dir“, „Selig seid ihr“ und das wohl meist gesungene Tauflied „Kind, du bist uns anvertraut“.

Doch von versuchen wie neulich in RTL hält er nichts. Dort wurde die Passionsgeschichte mehrfach von langen Werbeblöcken unterbrochen. Barth: „Wenn ein Regisseur das in Kauf nimmt, da tritt er sich in den A…“ Schließlich habe Jesus die Händler selbst aus dem Tempel geworfen. Ziel guter Musik müsse sein, Text und Melodie zu verheiraten, damit ein gutes Lied entstehe. Heute gäbe es zu viele Lieder mit dogmatischen Phrasen. Auch brauche man kein neues Gesangbuch wie es die EKD für 2025 plane. Friedrich Karl Barth bedauert, dass sich in der Kirche kein neuer Musikstil entwickelt habe. „Der Neueste ist der Janssens gewesen. Es müsste etwas anderes gefunden werden. In der Kirche gibt es nicht Neues“, so sein Fazit.

Provokation Tod versus Auferstehung

Zum Osterfest fragen Conny&Kurt in ihrem Podcast, was ist eigentlich Auferstehung? Pfarrer Helwig Wegner, Frankfurt, antwortet sehr persönlich. Er hält es mit Dorothee Sölle, die davon sprach, dass wir im Tod wie ein Wassertropfen im Meer aufgehen. Wegner: „Ich werde, wenn ich sterbe, ein Tropfen im Meer Gottes sein. Damit kann ich mich anfreunden. Ich verliere meine persönliche Identität, aber es wird aufgehoben in einem großen Zusammenhang. Der Tropfen bleibt Wasser, hat aber nicht mehr die Last einer Individualität zu tragen.“ Doch Pfarrer Wegner mag nicht ausschließen, dass er in kritischen Situationen auch auf „ganz infantile Vorstellungen“ zurückgreife.

Die Religionen haben unterschiedliche Vorstellungen entwickelt. Selbst innerhalb des Christentums und ja auch innerhalb einer Konfession gibt es widersprüchliche Vorstellungen. Es sei ein Wechselbad der Möglichkeiten und Meinungen, meint Wegner.

Es werde alles Mögliche gedacht, „denn der Tod ist eine Provokation für einen lebenden Menschen. Alles ist weg. Das können Menschen nicht wahrhaben.“ Folglich müsse es eine Form des Weiterlebens nach dem Tod geben. Weit verbreitet sind die Vorstellungen, dass es eine Auferstehung mit Haut uns Haaren gibt und alle sich wiedersehen. Daneben existiert die Vorstellung, dass die Seele aufersteht. Welche Bilder wirklich tragen, hänge immer von den jeweiligen Lebensumständen ab, etwa ob man gerade einen Verlust erlebe oder die Geburt eines Kindes. Der Kontext spiele eine bedeutende Rolle.

Osterhasen haben in der Karwoche nichts verloren

Osterhasen und bunte Ostereier haben schon längst Konjunktur. Dabei steht von dem Osterfest die Karwoche, die an das Leiden Jesu erinnert. In ihrem Podcast Conny&Kurt rücken die beiden den Inhalt der bevorstehenden Karwoche in den Mittelpunkt ihrer Folge zum Palmsonntag. Sie erinnern daran, dass früher das öffentliche Leben eher durchschnaufte. Selbst das Radio sendete gedämpfte Musik. Heute ist etwa das Tanzverbot an Karfreitag nicht mehr zeitgemäß. Es wäre aber eine Aufgabe der Kirche, den Inhalt der Karwoche zu vermitteln. Hierfür sollten zeitgemäße Formen entwickelt werden.

„Wer Waffen liefert, bekommt Geflüchtete“ – Die neue Vorsitzende von Pro Asyl im Gespräch

Mit Blick auf den globalen Süden beschreibt die neue Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl Halina Gutale einen Mechanismus, der in der hiesigen Diskussion keine Rolle spielt. Im Podcast Conny&Kurt stellt Gutale, die mit 14 Jahren aus Somalia nach Deutschland flüchtete, fest: „Wer Waffen liefert, bekommt Geflüchtete“. Für sie ist klar: Die Geflüchteten, die man nicht haben will, produziert man gleichzeitig.“ Sie selbst kennt aus ihrer Erfahrung alle Probleme von Geflüchteten: „Wir hatten ganz andere Sorgen als Gleichaltrige.“ Die Woche über ging sie zur Schule und am Wochenende arbeitete sie in der Pizzeria, um den Deutschkurs bezahlen zu können. Für sie ist es wichtig, dass Geflüchtete ihre Rechte kennen. „Damals kannte ich meine Rechte nicht, man verweigerte mir das Abitur aufgrund des Aufenthaltsstatus.“ Es müssten „mit Herz und Verstand“ Lösungen gesucht werden. Dabei gelte immer: „Wir müssen menschlich bleiben“. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Pro Asyl ist ein Zusammenschluss von Mitarbeitenden aus Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen und landesweiten Flüchtlingsräten. Sie verbindet die Überzeugung, dass es die Pflicht einer demokratischen und humanen Gesellschaft ist, Flüchtlinge und verfolgte Menschen zu schützen.

Barbie statt Bibel

Es ist nicht überliefert, ob vor der Jakobskirche im Frankfurter Stadtteil Bockenheim die Besucherinnen und Besucher den Sonntagsgottesdienst rosa gekleidet besuchten. Doch im Mittelpunkt der Predigt stand der Film mit seiner Antwort auf die Fragen woher wir kommen und wohin wir gehen und seiner Erzählung vom Paradies. „Der Film bietet Orientierung, weil die Frage gestellt wird: Was macht das menschliche Leben aus?“, so Pfarrer Rüdiger Kohl im Podcast Conny&Kurt. Die Antwort des Films sei Sterblichkeit. „Sterben können, auf den Tod hin leben und gerade deshalb ein erfülltes Leben führen“. Rüdiger Kohl spürt im Podcast den versteckten Narrativen nach. Eine Betrachtung des Films aus ungewöhnlicher Perspektive.

Kirchenasyl: Rettung im letzten Augenblick

Das politische Klima ist beim Thema Migration und Asyl frostiger geworden. Die Kirche jedoch hält an einer alten Tradition fest: dem Kirchenasyl. Derzeit sind nach Angaben von Pfarrerin Anja Harzke vom Verein „Maqom – Kirche und Zuflucht“ über 800 Personen im Kirchenasyl in 455 Gemeinden. Im Podcast Conny&Kurt verweist die Frankfurter Pfarrerin auf die biblische Tradition. „Das Kirchewnasyl ist eine uralte Tradition, zieht sich durch die ganze Bibel hindurch. Das hat es schon immer gegeben.“ Heute handelt es sich um eine Übereinkunft zwischen Staat und Kirche, das weltliche Recht in kirchlichen Räumen nicht durchzusetzen. Es sei eine Chance für den Staat, noch einmal genauer hinzuschauen, denn die Begründungen der Abschiebungen sind oft nur formal. Etwa weil das erste Einwanderungsland nicht Deutschland war und nach dem Dublin-Abkommen nur dort der Antrag auf Asyl gestellt werden könne. „Das Kirchenasyl ist ein Schutzraum um nochmal durchzuatmen und den Behörden die Möglichkeit zu geben, nochmal drauf zuschauen“, sagt Anja Harzke. Immerhin könnten über 90 Prozent derjenigen, die Kirchenasyl beantragten, bleiben.