Schlagwort-Archive: Politik

Hitzewellen in Deutschland: Eine schleichende Gefahr mit wenig politischen Nachhall

„Wenn Du hier wärest, würdest du die Hitze hören: Es singt kein Vogel mehr.“ Dies schrieb mir ein Freund aus Frankfurt, einem Hotspot der Hitzewellen. Der Rhein ist zum Rinnsal verkümmert. Bei einem Pegelstand von teils nur 18 Zentimetern in der Fahrrinne kommt der Schiffsverkehr am Mittelrhein faktisch zum Erliegen. Was wie ein lokales Wetterphänomen wirkt, ist Teil einer umfassenden Klimakrise, die Deutschland zunehmend unvorbereitet trifft. Während im Norden noch gelegentlich Regen fällt, leidet besonders das Rhein-Main-Gebiet unter Rekordtemperaturen und ausbleibender nächtlicher Abkühlung. Doch der Aufschrei fehlt, stellen Conny&Kurt in ihrem Podcast fest. Man stelle sich nur vor, es hätte 12.000 Tote bei einer Überschwemmungskatastrophe gegeben. Da würde alles mobilisiert. Die Medien würden pausenlos berichten, die Politik wäre vor Ort, Geld würde versprochen und die Bundeswehr wäre im Einsatz. Doch 12.000 Hitzetote sind nur eine kurze Nachricht wert. Im Gegensatz zu plötzlichen Flutkatastrophen wird die Hitze oft als individuelles Schicksal oder gar als angenehmes „Sommerwetter“ missverstanden.

Die ökologischen Folgen sind dramatisch: Im Frankfurter Stadtwald gelten über 90 Prozent der Bäume als krank. Auch der Artenschwund ist für den Bürger im Alltag greifbar – das massive Insektensterben zeigt sich an beinahe sauberen Windschutzscheiben nach langen Autobahnfahrten und dem Verstummen von Hummeln in den Gärten. Doch trotz einer geschätzten Übersterblichkeit von etwa 12.000 Hitzetoten bleibt der große gesellschaftliche Aufschrei bislang aus. I

Städtebaulich besteht dringender Handlungsbedarf. Experten fordern die konsequente Umsetzung von „Schwammstädten“, Fassadendämmung und massive Begrünungsmaßnahmen, um urbane Hitzeinseln wie Frankfurt, in denen die Luft buchstäblich steht, zu entlasten. Ein wesentliches Hindernis bleibt die Energiefrage: Der wachsende Ruf nach Klimaanlagen kollidiert mit dem immensen Strombedarf von Rechenzentren, während der Netzausbau für erneuerbare Energien von der Küste in den Süden stockt. Die Politik steht vor der Herausforderung, nicht länger nur die Wirtschaft kurzfristig zu priorisieren, sondern die rasant steigenden Kosten für künftige Klimareparaturen durch sofortiges, strukturelles Handeln zu begrenzen.

Hubertus Heils Plädoyer gegen die gesellschaftliche Sprachlosigkeit: Die „laute Kirche“ als demokratischer Anker

In Zeiten einer zunehmenden Polarisierung und schwindender Bindekräfte traditioneller Institutionen stellt sich die Frage nach der Rolle der christlichen Kirchen neu. Hubertus Heil, religionspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, positioniert sich hierbei eindeutig: Er fordert eine Kirche, die sich nicht ins Private zurückzieht, sondern aktiv in die politischen Debatten einmischt. „Ich wünsche mir eine laute Kirche, die sich einmischt, die in der Gesellschaft ist, die mitten unter uns ist“, so Heil. Angesichts der Kritik, die Kirche solle sich aus der Politik heraushalten, betont er, dass sie für die „ethische Orientierung unserer Gesellschaft“ unerlässlich sei.

Heil sieht die Kirche dagegen als notwendiges Korrektiv zu einer rein technokratischen Politik. Insbesondere bei sozialen Reformen dürfe die Kirche ihre Stimme erheben, orientiert an der „Botschaft der Bergpredigt“ oder der „katholischen Soziallehre“. Reformen dürften keine bloßen „Kürzungen zu Lasten der Schwächsten“ sein. Er kritisiert in diesem Zusammenhang auch aktuelle Weichenstellungen der Koalition, etwa Kürzungen bei Integrationskursen, die er als „widersprüchlich“ bezeichnet, da sie Probleme lediglich in die Zukunft verschieben.

Für Heil ist die Krise der Institutionen – sowohl der Kirchen als auch der Volksparteien, die beide in den letzten 25 Jahren rund 30 Prozent ihrer Mitglieder verloren haben – kein Grund zur Resignation. Vielmehr müsse die Demokratie „revitalisiert“ werden. Unter Berufung auf das Böckenförde-Diktum erinnert er daran, dass der liberale Staat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann. Hier könne die Kirche als „gesellschaftlicher Ort“ fungieren, der über das Seelenheil hinausgeht und als Plattform für eine „anständige Debatte“ dient, in der man sich nicht verfeindet.

In einer Welt, in der rechtsextreme Kräfte mit Leidenschaft agieren, dürften Demokraten die emotionale Sprache nicht den Rändern überlassen. Die Kirche könne helfen, die Debatte über gesellschaftliche Ziele „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Es gehe darum, „nachzuweisen, dass wir Dinge ändern“, um nachfolgenden Generationen eine friedliche Gesellschaft zu hinterlassen. Die Kirche bleibe dafür ein entscheidender Ort der Begegnung, an dem Menschen „aushalten, dass Menschen anderer Meinung sind“.

Deutsche Befindlichkeit: Hoffnung keimt auf

Während der Kieler Woche erörtern Conny&Kurt in ihrem Podcast die Stimmung in Deutschland. Es scheint sich zu drehen. Ein psychologisch bedingtes Fünkchen Hoffnung keimt durch die neue Regierung auf, obwohl die wirtschaftlichen Zahlen weiterhin schlecht sind. Die Sehnsucht, aus dem „Tal der Tränen“ herauszutreten, ist groß.

Allerdings stehen große Zumutungen bevor, insbesondere in Bereichen wie Pflege, Gesundheit und Rente. Die beiden Podcaster erwarten Einkommensverluste. Die beiden unterstreichen die Sehnsucht nach Optimismus und klarem Ausblick inmitten von Unsicherheiten. Trotz dieser Herausforderungen und der Notwendigkeit von Realismus brauchen die Menschen Hoffnung.

Positiv ins Jahr 2024

Trotz alledem wollen Cony&Kurt positiv ins neue Jahr gehen. Nicht so schnell nörgeln, sondern auch das Gute sehen, so das Motto von Conny von Schumann. Im Podcast bedauern Conny&Kurt, dass in der Politik es oftmals nicht um die Sache, sondern um das Madigmachen des politischen Gegners gehe. Dieses Verhaltensmuster zeige sich inzwischen selbst in der Kommunalpolitik. Im nächsten Podcast befragen Conny&Kurt einen erfahrenen Kommunalpolitiker über seine Erfahrungen.

Wege zu einer Wirtschaft, die nicht zerstört

Selbst Ex-Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse zeigte sich beeindruckt. Der Wirtschaftsjournalist Wolfgang Kessler zeige in seinem neuen Buch „Das Ende des billigen Wohlstands“ auf, wie wir der Zukunft gerecht werden könnten. Im Podcast Conny&Kurt kommt der Autor selbst zu Wort und benennt für viele Bereiche Lösungen. Dabei geht er von dem Dreiklang Ausbau (erneuerbare Energien), Veränderung (Kreislaufwirtschaft, Gesundheitswesen) und Rückbau (Verkehr) aus. Kessler schafft es auf 125 Seiten alle wesentlichen wirtschaftlichen Herausforderungen anzusprechen und Handlungsoptionen aufzuzeigen. So sollte die Privatisierung im Gesundheitswesen gestoppt, Kleidung länger getragen und nachhaltig produziert und – als Schlüssel zur Akzeptanz – der gesellschaftliche Reichtum gerecht verteilt werden.

Kirchentag: Jugend- und Seniorenfreizeit gleichzeitig

Im Podcast Conny&Kurt ist man sich schnell einig. So wie beim Nürnberger Kirchentag kontrovers diskutiert wurde, soll es im demokratischen Meinungsbildungsprozess doch eigentlich überall sein. Nur so kann die Spaltung der Gesellschaft überwunden werden. Und für Claudia Horn, Referentin im Zentrum Bildung der Evangelischen Kirchen in Hessen und Nassau, ist Christentum eben politisch, wenn auch nicht parteipolitisch. Christ:innen müssten Stellung beziehen. Nach ihrer Beobachtung war der Kirchentag wie seine Vorgänger ein Event für die Jugend und für die große Gruppe der Rentner:innen, sozusagen Jugend- und Seniorenfreizeit gleichzeitig. Horn warb an einem Stand im Markt der Möglichkeiten für die Seite Relimentar.de. Dort werden pädagogisch und theologisch empfohlene religionspädagogische Materialien bereit gestellt.