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Hoffnung gegen die Trümmer: Die zeitlose Resonanz des Paul Gerhardt

Es ist ein Paradox der deutschen Literatur- und Kirchengeschichte: Die lichten, lebensbejahenden Verse eines der bedeutendsten protestantischen Lieddichters entstanden inmitten einer Epoche der totalen Verwüstung. Paul Gerhardt, dessen 350. Todestag Anlass zur Rückbesinnung gibt, schuf ein Werk, das heute als allgemeines Volksgut gilt. Doch hinter Klassikern wie „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ verbirgt sich eine Existenz, die von unfassbarem Leid gezeichnet war. Darauf weist der Liedtexter und Pfarrer Eugen Eckert im Podcast Conny&Kurt hin.

Gerhardts Lebensweg war untrennbar mit den Ausläufern des Dreißigjährigen Krieges verknüpft. Als er im Alter von 48 Jahren seine erste Pfarrstelle in Mittenwalde antrat, bot sich ihm ein Bild des Grauens: Von einst 243 Häusern waren nur noch 43 bewohnt; die Bevölkerung war durch Plünderungen und Gewalt dezimiert worden. Auch privat blieb er nicht verschont. Von seinen fünf Kindern starben vier im frühen Kindesalter, und auch seine Ehefrau Anna überlebte die psychischen und physischen Belastungen nicht lange, erzählt Eckert.

Trotz dieser traumatischen Erfahrungen entwickelte Gerhardt eine literarische Strategie, die der Experte Eugen Eckert als ein „Anschreiben gegen den Augenschein“ beschreibt. Anstatt in Verzweiflung zu versinken, richtete Gerhardt den Blick auf die Regenerationskraft der Schöpfung: „Guckt euch an, wie alles wieder wächst und grünt und blüht und es gibt etwas, was diese schmerzlichen Wunden heilen kann“. Seine Dichtung fungierte als kollektive Ermutigung für eine traumatisierte Gesellschaft.

Die Popularität seiner Texte verdankt er nicht zuletzt der Zusammenarbeit mit dem Komponisten Johann Crüger, dem Kantor der Berliner Nikolaikirche. Crüger erkannte die „essentielle Tiefe“ in Gerhardts Worten. In einem fast modernen Sinne bildeten sie eine produktive Symbiose, die Kurt-Helmuth Eimuth pointiert mit „Lennon und McCartney“ vergleicht. Während Gerhardts Texte in Crügers Gesangbüchern rasche Verbreitung fanden, wurde „Geh aus, mein Herz“ erst durch die Vertonung von August Harder im 19. Jahrhundert zum populären Volkslied.

Technisch bestechen Gerhardts Werke durch ihre formale Meisterschaft, wie etwa das Lied „Befiehl du deine Wege“, das als Akrostichon angelegt ist. Die Anfangsbuchstaben der Strophen ergeben den Psalmvers: „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen“. Diese Verbindung aus kunstvoller Struktur und tiefer, jenseitiger Hoffnung verleiht Gerhardts Liedern eine Substanz, die sie bis in die Gegenwart trägt – als ein „Trostwort“, das auch moderne Tragödien zu rahmen vermag.

Nur Müßiggang ist auch kein Ausweg

Die Faulheit gehört zu den sieben Todsünden. Der Hirzel-Verlag hat ihnen je einen eigenen Band gewidmet. Bernd Imgrund widmet sich in aller Gelassenheit der Faulheit. Kein Wunder, dass es dabei zahlreiche religiöse Bezüge gibt. Schon in der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ Und so wurde die Notwendigkeit der Arbeit religiös unterfüttert. „Ora et Labora“ ist das Motto der Benediktiner. Später vertiefte eine protestantische Ethik die Arbeitsmoral. „Wer treu arbeitet, der betet zweifach“, war Martin Luther überzeugt. Im Podcast Conny&Kurt stellt Imgrund dem Zwang zur Arbeit die Gelassenheit gegenüber. Er lobt den Müßiggang und verweist darauf, dass Zukunftsforscher die Verschmelzung von Freiheit und Arbeit prognostizieren. Der Gegensatz in der Work-Life-Balance wird sozusagen aufgehoben. Und doch bleibt es dabei: Manch Notwendiges wird auch künftig keinen Spaß machen und doch getan werden müssen.