Archiv für den Monat: Januar 2026

Zwischen neuem Absolutismus und Daseinsfürsorge: Eine Bilanz des Jahres 2025

Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt, der in seiner Intensität kaum zu überbieten ist. Bereits im Januar konstatierte die Sozialministerin Bärbel Bas, dass die ersten 15 Tage des Jahres weltpolitisch das Gewicht von 15 Jahren trugen. Conny&Kurt schauen indes persönlich durchaus zufrieden auf 2025 zurück. Es zeigt sich allerdings ein tiefgreifender Riss zwischen der Stabilität des deutschen Sozialstaates und einer erodierenden Weltordnung.

Während sich im Inneren Errungenschaften wie das Deutschlandticket als „Segen der Daseinsfürsorge“ etabliert haben ,blickt die Welt auf ein Washington, das zunehmend Züge des Absolutismus trägt. Die Rede ist von einem „Kindergarten im Weißen Haus“, in dem Donald Trump seine Minister wie Kinder behandelt und goldene Ballsäle in einer Manier errichtet, die an Ludwig XIV. erinnert. Doch hinter der bizarren Fassade steht eine harte „Weltordnung der Starken“, getrieben von den Interessen großer Militärblöcke und Akteuren wie Elon Musk, dessen Kapital die eigentlichen Drahtzieherrollen besetzt,.

Besonders besorgniserregend bleibt die Abkehr von moralischen Standards. Die geopolitische Architektur basiert zunehmend auf Gewalt statt auf Recht, was sich in der Eskalation in Venezuela und der massiven Steigerung des US-Militäretats auf 1,5 Billionen Dollar manifestiert. Gleichzeitig wird der Klimawandel, trotz der wärmsten Jahre seit der Industrialisierung, politisch oft ignoriert.

In Deutschland hingegen zeigt sich die Wirtschaft inmitten der Transformation gespalten: Während Traditionsbetriebe unter dem Druck der Veränderung leiden, gelingt Konzernen wie BMW durch Dreisäulenmodelle und Elektrifizierung der Sprung in die Zukunft. Am Ende bleibt für 2025 eine skeptische Dankbarkeit: „Wir klagen auf hohem Niveau, während die nächste Generation vor einer ungewissen Zukunft steht“.

„Wer nur auf das Echo in der eigenen Halle wartet, wird den Gesang der Welt draußen niemals hören.“

Die Verheißung des Neuen: Zwischen Bibelsprüchen und digitaler Überforderung

In einer Zeit, in der politische Reformversprechen und technologische Umwälzungen den Alltag prägen, wirkt die biblische Jahreslosung „Siehe, ich mache alles neu“ gleichermaßen wie ein Heilsversprechen und eine Überforderung. Wolfgang Weinrich, Chefredakteur aus Darmstadt, mahnt in einem aktuellen Diskurs zur Vorsicht gegenüber einer bloßen Rhetorik der Erneuerung. Solche Sprüche könnten einen „erschlagen“, wenn ihnen keine Taten folgen; er warnt davor, lediglich „Sprüche zu kloppen“.

Besonders deutlich wird die Ambivalenz des Neuen im Bereich der Digitalisierung. Während Orte wie Aarhus als vollkommen digitalisierte Städte voranschreiten, fühlen sich viele Bürger – insbesondere die ältere Generation – von der Geschwindigkeit der Veränderungen entfremdet. Die digitale Teilhabe werde zur Frage der staatlichen Daseinsfürsorge, doch oft bewirke das Neue eher einen Ausschluss. Weinrich betont hier die Notwendigkeit einer inneren Haltung: Es gelte, zu sortieren und sich „nicht selbst aussortieren oder aussortieren zu lassen“.

Scharfe Kritik übt Weinrich an der Institution Kirche, die sich in ihre eigene „Babbel“ zurückgezogen habe. Statt die Sehnsüchte der Menschen dort aufzugreifen, wo sie sich versammeln – etwa bei öffentlichen Veranstaltungen wie dem Darmstädter Turmblasen –, verharre man in überkommenen Formen und einer „verkappten alten Kirchenmusik“. Die Kirche agiere oft als „reiner Selbstzweck“ und verpasse die Chance, sich dem „Eventmarkt“ oder dem realen Leben in Kneipen und auf Plätzen zu öffnen.

Weinrichs Plädoyer ist ein Aufruf zur Neugier und zum Handeln: „Nicht zu lange fragen, dürfen wir das oder dürfen wir nicht – sondern machen“. Nur durch das Durchstoßen der eigenen Blase und eine generationenübergreifende Offenheit könne eine Gesellschaft lebendig bleiben. Erneuerung sei zwar mühsam und anstrengend, aber essenziell, um nicht wie ein „behebiger Teich“ zu stagnieren.

Man könnte sagen: „Wer nur auf das Echo in der eigenen Halle wartet, wird den Gesang der Welt draußen niemals hören.“