Archiv für den Monat: Juni 2026

Zwischen Sportgeist und Profitgier – Die WM in den USA

Die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA beginnt und löst eine Debatte über die zunehmende Kommerzialisierung aus. Mit 104 Spielen und 48 Nationen ist das Turnier zwar rekordverdächtig groß, wird jedoch von Kritikern wie Pfarrer Eugen Eckert im Podcast Conny & Kurt als reine „kommerzielle Show ohne Ende“ bezeichnet. Die FIFA versuche zwar, durch die Teilnahme kleiner Nationen wie Curaçao – die sympathisch mit einem uralten, offenen Bus anreisten – Volksnähe zu suggerieren, doch die Realität sieht oft anders aus.

Die finanziellen Barrieren sind so massiv, dass ein Großteil der Fans faktisch aus den Stadien ausgeschlossen wird. Enorme Eintrittspreise und Fahrtkosten machen die WM zu einer „Geldmaschine“, während leidenschaftliche Anhänger, wie ein berichteter Fan aus Jordanien, sogar ihr Auto verkaufen und Schulden machen, um dabei zu sein. Zudem wird die „Amerikanisierung“ des Events kritisiert: Statt des reinen Sports dominieren Barbecue-Zonen hinter dem Tor, Cheerleader und gezielte Werbeunterbrechungen, was im krassen Gegensatz zur traditionellen Fankultur steht.

Sportlich schmerzt besonders der verletzungsbedingte Ausfall des jungen Talents Leonard Karl, während Eintracht Frankfurt mit dem Linksverteidiger Brown zumindest einen Spieler im Turnier vertreten hat. Politisch bleibt das Event höchst umstritten, da FIFA-Präsident Infantino vorgeworfen wird, dem US-Präsidenten zur Aufbesserung seines angeschlagenen Images zu verhelfen. Am Ende bleibt die Sorge, dass die WM zu einer perfekt durchgestylten Show verkommt, bei der der eigentliche Fußball nur noch die Kulisse für den Kommerz bildet.

Mehr Würdigung der Verstorbenen, weniger Verkündigung gewünscht

In einer Gesellschaft, die den Tod weitgehend aus dem Alltag verdrängt hat, artikuliert sich ein wachsendes Bedürfnis nach einer neuen Kultur des Abschiednehmens. Andrea Hamm, gelernte Krankenschwester mit Erfahrung in der Hospizbewegung, markiert im Podcast Conny&Kurt diesen Wendepunkt in ihrer Arbeit als freie Trauerrednerin und Trauerbegleiterin. Ihr Weg führt weg von der klinischen Distanz hin zu einer Begleitung, die den Verstorbenen und die Hinterbliebenen in ihrer Einzigartigkeit in den Mittelpunkt stellt.

Hamm, die selbst der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) angehört, besetzt eine „Marktlücke“, die durch den Rückzug kirchlicher Präsenz und ein teils als zu dogmatisch empfundenes Zeremoniell entstanden ist. Während in der traditionellen kirchlichen Bestattung oft die Verkündigung des Glaubens über der Würdigung der individuellen Persönlichkeit stand, fordern Auftraggeber heute eine Fokussierung auf das gelebte Leben. Dabei verschwimmen die Grenzen: Auch in Hamms freien Reden finden religiöse Elemente wie das Vaterunser oder Segensworte auf Wunsch ihren Platz.

Wissenschaftlich vollzieht sich parallel ein Paradigmenwechsel: Das veraltete Modell starrer Trauerphasen weicht der Erkenntnis von „Trauerfacetten“. Trauer wird als dynamisches Kaleidoskop verstanden, in dem sich Gefühle ständig neu zusammensetzen und überlagern. Diese Komplexität erfordert eine Resilienz, die in der Nachkriegsgeneration oft durch das Gebot des „Anpackens“ unterdrückt wurde, heute jedoch Raum zur Entfaltung beansprucht.

Trauer, so betont Hamm, ist keine Wunde, die die Zeit einfach heilt, sondern eine „Narbe“, die jederzeit wieder aufbrechen kann. Diese Versehrtheit macht auch vor der Arbeitswelt nicht halt; die Integration von Trauerprozessen in den Unternehmensalltag wird zu einer unabdingbaren Aufgabe in einer leistungsverdichteten Welt. Letztlich geht es Hamm darum, den Tod wieder als integralen Bestandteil des Lebens zu begreifen und die Sprachlosigkeit im Angesicht des Verlusts zu überwinden.