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Kirchenpräsidentin Wüst: „KI kann Mitgefühl simulieren, aber kein Mitgefühl empfinden“

Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz Predigt und Seelsorge? Und welche Zukunft besitzen kirchliche Medien zwischen Printkrise und digitaler Transformation? Dorothee Wüst, Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche der Pfalz und Aufsichtsratsvorsitzende des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik (GEP), bezieht Stellung zu den Herausforderungen im digitalen Zeitalter.

KI als Werkzeug, nicht als Ersatz
In der Debatte über Künstliche Intelligenz in der Kirche warnt Wüst vor Schwarz-Weiß-Denken. Während KI als Recherchetool und „ausgezeichneter theologischer Sparringspartner“ gute Dienste leiste, bleibe das persönliche Gegenüber unersetzlich: „Meine Theologie, mein Glauben, mein Menschsein ersetzt sie nicht“. Auf der Kanzel müsse am Ende das eigene Wort stehen. Auch in der Seelsorge stoße die Technologie an Grenzen. Auch wenn KI-Systeme in Tests überraschend empathisch wirkten, fehle der entscheidende Faktor: „KI kann Mitgefühl simulieren, aber kein Mitgefühl empfinden“. Für Menschen in Lebenskrisen bleibe das personale Gegenüber mit Lebenserfahrung und Glaubenshaltung unverzichtbar.

Kirchliche Publizistik im Medienwandel
Auch die evangelische Publizistik steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Den Auflagenrückgang bei Kirchengebietszeitungen sieht Wüst keineswegs als Abgesang auf die evangelische Publizistik. Während lokale Gemeindebriefe dank ihres Bezugs zum Alltagsleben weiterhin stabil bleiben, erfordere das Digitale neue Ansätze. Printprodukte ließen sich nicht eins zu eins ins Netz übertragen, da digitale Medien aktiv gesucht werden müssen und eigenen Gesetzen folgen. Um jüngere Zielgruppen zu erreichen, müsse die Kirche auf deren Nutzungsgewohnheiten hören. Formate wie der Evangelische Pressedienst (epd) oder das Magazin Chrismon seien für die Präsenz kirchlicher Themen in der Gesellschaft essenziell. Sie böten der Kirche einen unentbehrlichen „wohlwollenden Spiegel“ und sicherten journalistische Qualität.