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Vom U-Boot-Kommandanten zum Friedenskämpfer: Das radikale Leben des Martin Niemöller im musikalischen Portrait

Martin Niemöller bleibt eine der schillerndsten und zugleich sperrigsten Figuren der deutschen Kirchengeschichte des 20. Jahrhunderts. Sein Lebensweg, der ihn vom stolzen U-Boot-Kommandanten des Ersten Weltkriegs zum radikalen Pazifisten und Atomwaffengegner führte, wird nun in einem musikalischen Porträt von Pfarrer Helwig Wegner und dem Komponisten Siegfried Fietz in 17 Liedern und Zwischentexten neu beleuchtet. Conny&Kurt unterhalten sich in ihrem Podcast mit dem Texter Helwig Wegner.

Niemöllers Biografie ist geprägt von tiefgreifenden Wandlungen und einer unermüdlichen Lernbereitschaft. Nach seinem Dienst als Marineoffizier schlug er die theologische Laufbahn ein und wurde Pfarrer in Berlin-Dahlem. In der Anfangsphase des Nationalsozialismus erhoffte er sich zunächst eine nationale Wiedergeburt Deutschlands. Doch als das Regime begann, massiv in kirchliche Belange einzugreifen und den „Arierparagraphen“ einzuführen, leistete Niemöller entschlossenen Widerstand. Er gründete den Pfarrernotbund und stellte die fundamentale Frage, ob Adolf Hitler oder Jesus Christus der Herr der Kirche sei. Diese Unbeugsamkeit führte 1937 zu seiner Verhaftung und schließlich zur Inhaftierung im Konzentrationslager Dachau, wo er bis 1945 als „persönlicher Gefangener“ Hitlers verblieb.

Nach dem Krieg avancierte Niemöller zu einer internationalen Integrationsfigur für ein „anständiges Deutschland“. Er wurde der erste Kirchenpräsident der neu gegründeten Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Unter seinem Einfluss etablierte die EKHN ein kollektives Leitungsprinzip, das bewusst auf die hierarchische Macht eines Bischofsamtes verzichtete. Diese „bruderrätliche Kultur“ prägt die Landeskirche bis heute und ermöglichte oft mutige, gesellschaftspolitische Vorreiterrollen, etwa im Umgang mit der Ökumene oder der Aufarbeitung der Schuld gegenüber dem jüdischen Volk.

In den 1950er Jahren wandelte sich Niemöller zum scharfen Kritiker der Wiederbewaffnung und der atomaren Aufrüstung. Sein Handeln leitete er stets von der schlichten, aber provokanten Frage ab: „Was würde Jesus dazu sagen?“. Diese Haltung brachte ihm massive Kritik ein, insbesondere nach seinen Reisen nach Moskau, die ihm den Vorwurf des Philokommunismus einbrachten. Ein Zeitgenosse beschrieb ihn treffend als jemanden, der „unablässig seinen eigenen Ruhm zerstört“, da er stets Positionen bezog, die weder der Politik noch seinen eigenen Kirchenkollegen genehm waren.

Das musikalische Porträt „Welch ein Leben“ greift diese Spannungsfelder auf und verbindet Lieder mit Originalzitaten. In einer Zeit, in der Begriffe wie „Kriegstüchtigkeit“ wieder Konjunktur haben, gewinnen Niemöllers pazifistische Provokationen eine neue, beklemmende Aktualität. Das Werk versteht sich nicht als fertige Antwort auf heutige Krisen, sondern als Anstoß, den eigenen Standpunkt kritisch zu hinterfragen.

Das Schweigen der Väter und Mütter

Zum 80. Jahrestag des Kriegsendes beleuchtet der Podcast Conny&Kurt die verdrängten Erfahrungen der Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebte. Die beiden Podcast erinnern sich biografisch an die wenigen Informationen, die sie von ihren Vätern und Müttern erhielten. Dabei blieben deren Erlebnisse von Krieg, Bombenangriffen, Gefangenschaft und Vertreibung oft unausgesprochen. Conny&Kurt betonen, dass sie keinen Krieg erlebt haben und hoffen, dass auch die nachfolgende Generation davon verschont bleibt. Aktuelle Konflikte, wie in der Ukraine, schwinden jedoch die Hoffnung auf dauerhaften Frieden.

Ein zentrales Thema des Podcasts ist die kollektive Traumatisierung der Kriegsgeneration. Es gab damals keine Traumatherapie. Die Betroffenen mussten individuell mit ihren Problemen umgehen, oft unter dem Druck, „es nicht so schwer zu nehmen“ und sich auf den Neuanfang und das Wirtschaftswunder zu konzentrieren. Dies führte zur Verdrängung der Erlebnisse. Als Beispiel wird das schicksalhafte Leben eines Bankers genannt, der in russischer Kriegsgefangenschaft war, nachts schrie und sich 1969 das Leben nahm, da er mit Angstzuständen und Träumen nicht zurechtkam – selbst in einem gehobenen Berufsstand.

Die Väter waren in Kriegsgefangenschaft. Kaum vorstellbar, was dort den Vätern widerfuhr. .

Auch die Zivilbevölkerung litt stark. Viele Menschen wurden vertrieben oder waren Binnenflüchtlinge in Deutschland. Schätzungsweise 12 Millionen Menschen waren damals auf der Flucht. Einige erlebten selbst auf der Flucht Bombenangriffe, wie den auf Dresden. Ein Zeitzeuge malte noch lange Bilder von brennenden Häusern. Die Vertreibung bedeutete oft den Verlust allen Besitzes. In der Nachkriegszeit war Wohnraum extrem knapp, da die Städte zerstört waren. Es gab Zwangseinweisungen in bestehende Wohnungen oder Konfiszierungen von Wohnungen durch Besatzer.

Über ihre Kriegserlebnisse sprachen die Väter und Mütter der Nachkriegsgeneration kaum. Die Erinnerungen kamen oft nur fragmentarisch oder gar nicht zur Sprache. Ein Grund könnte das frühe Alter der Einberufung gewesen sein, teils mit 17 Jahren. Zudem waren die jungen Menschen durch Institutionen wie den Reichsarbeitsdienst (RAD) oder den Bund Deutscher Mädel (BDM) dem System kaum zu entziehen und dementsprechend erzogen.

Die Lehren aus der Zeit des Nationalsozialismus werden als Grundlage für die heutige deutsche Verfassung gesehen, die Korrektive und Institutionen vorsieht. Dies wird im Vergleich zu Systemen ohne solche Kontrollen hervorgehoben.

Trotz des Schweigens über konkrete Erlebnisse sind Conny&Kurt überzeugt, dass Schmerz und Trauma unbewusst an die nachfolgende Generation weitergegeben wurden. Gleichzeitig hoffen sie, dass eine Lehre, die implizit vermittelt wurde, das Wissen ist: Nie wieder Krieg. Die Hoffnung ruht auch auf der nächsten Generation, die anders miteinander umgehen möge.

(Text mit Hilfe von KI erstellt)

Es ist unerträglich – Zur Situation der Ukrainer:innen in Deutschland

„Ich bewundere viele Frauen“ sagt Tanja Sacher über geflüchtete Urkrainerinnen „und frage mich gleichzeitig, woher nehmen sie die Kraft. Und dann plötzlich kommen die Tränen. Eigentlich ist es unerträglich aber es gibt keine Ende.“ So schildert die Pfarrerin die Situation der hier lebenden Ukrainer:innen. Tanja Sacher hat einen Spezialauftrag der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau zur Betreuung dieser Geflüchteten. Sie selbst spricht russisch. Die Geflüchteten seien dauerhaft mit ihren Angehörigen verbunden. Das mache es schwer hier anzukommen, da man sich um die Menschen in der Heimat Sorge. Eine solche Situation zermürbe. Schlaflosigkeit, Panikattacken und Depression seien häufig die Folge. Sacher wünscht sich die Möglichkeit einer schnelleren Integration in den Arbeitsmarkt. Dazu sei es notwendig Sprache nicht nur im Unterricht zu erlernen, sondern sie auch im Arbeitsprozess anzuwenden.

Zur Person:
Tanja Sacher kam mit neun Jahren aus Russland nach Deutschland. Aufgewachsen ist sie im Badischen. Nach mehreren Stationen als Gemeindepfarrerin unter anderem in Oberursel und in Steinbach arbeitet sie seit 2021 im Kirchlichen Flüchtlingsdienst am Frankfurter Flughafen. Seit September 2023 ist sie zudem Seelsorgerin für Menschen aus der Ukraine.

Keine Stunde Null

Andreas von Schumann vom Deutsch-Ukrainische-Forum erwartet in der Ukraine keine Stunde Null. Es werde vielmehr ein schleichender Prozess werden bei dem die kriegerischen Handlungen abnehmen werden. Für ihn ist der Wille zur Verteidigung in der ukrainischen Bevölkerung ungebrochen. Im Podcast Conny&Kurt berichtet er auch davon, dass die Menschen durch den Krieg traumatisiert seien. Vor allem bei den Menschen, die vor Ort an der Front leben und nicht geflüchtet sind. Zum anderen bei den 5,6 Millionen Binnenflüchtlingen, die nicht wissen wie es weitergeht. Aber auch bei allen anderen Ukrainer:innen, die im Land leben, hinterlässt der Krieg dauerhaft spuren. „Es wird eine Generation dauern bis das verarbeitet ist“, sagt von Schumann. Die Unterstützung durch die westlichen Staaten sieht er trotz des Krieges im Nahen Osten nicht gefährdet.

Das Deutsch-Ukrainische Forum wurde auf Betreiben des damaligen Außenministers Joschka Fischer gegründet und soll Plattform sein, um verschiedene Initiativen zu bündeln. Heute ist vor allem der Wiederaufbau im Blick.

Der Angriff auf die Ukraine ist auch ein Angriff auf uns

Andreas von Schumann kennt die Ukraine gut. Vier Jahre hat der ehemalige Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit in Kiew gelebt und im Auftrag der Bundesregierung das Land bei Reformprozessen beraten. Im Podcast Conny&Kurt schildert er seine Erfahrungen, positioniert sich als Kriegsdienstverweigerer klar für die militärische Verteidigung und hofft, dass die Unterstützung nicht nachlässt. Er selbst, der immer noch viele Kontakte in die Ukraine hat, unterstützt Geflüchtete an seinem Heimatort. Sein Fazit: Der Angriff auf die Ukraine ist auch ein Angriff auf uns. Deshalb muss man auch aus ganz rationalen Gründen helfen, wo man kann.