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Wir gratulieren Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay zum Grimme-Preis. Dankenswerterweise sprach Agnes Lisa Wegner im Juni 2024 mit uns über ihren Film.

Der Begründung der Grimme-Jury ist nichts hinzuzufügen:

„Das leere Grab“ von Agnes Lisa Wegner und Cece Mlay ist ein Film von großem Engagement, der ein filmisch bislang kaum beleuchtetes Kapitel deutscher Kolonialgeschichte aufarbeitet. Der Film gibt der oft abstrakten Restitutionsdebatte ein zutiefst menschliches Gesicht und macht das transgenerationale Trauma sichtbar, das in den Familien fortwirkt.

Bemerkenswert ist die konsequent starke tansanische Perspektive. Die Passagen in Tansania überzeugen in besonderem Maße, weil sie das Leben, die Geschichte und die Biografien der Menschen vor Ort realistisch und würdevoll darstellen. Die Kamera beobachtet geduldig, wie die Familien Mbano und Kaaya mit dem transgenerationalen Trauma der Kolonialzeit leben, wie Cesilia im Klassenzimmer die schmerzhafte Geschichte ihrer Familie erzählt und wie die Dorfgemeinschaften sich am Grab von Nduna Songea Mbano versammeln. Der Film zeigt, lokal verankert und kulturell sensibel, Rituale, Trauer und Träume der Betroffenen, ohne sie zu exotisieren.

Die didaktische Anlage des Films, die Sachwissen und persönliche Geschichten klug miteinander verwebt, trägt in diesem Fall besonders gut. Szenen und Interviews sind so verknüpft, dass ein anregend dichtes, aber nie einengendes Geflecht aus Information und Emotion entsteht. Der Film unterscheidet sich wohltuend von vielen ähnlichen Dokumentarformaten. Auf deutscher Seite verschiebt sich der formale Ton zwar merklich, wenn beispielsweise die Musik einsetzt und sich die Erzählung verdichtet, doch gerade diese Verschiebung macht eine Spannung sichtbar, die dem Thema fundamental innewohnt.

Auf den ersten Blick scheint die Restitutionsfrage im Film beinahe einvernehmlich behandelt zu werden, was eine gewisse Romantisierung nahelegen könnte. Doch bei genauerer Betrachtung machen verschiedene Schlüsselmomente unmissverständlich klar, dass der Weg zur Aufarbeitung alles andere als einfach ist: Mnyaka Sururu Mboro, der seit über 40 Jahren in Deutschland lebt und Jahrzehnte für kleine Fortschritte wie eine Straßenumbenennung gebraucht hat. Ein Bundespräsident, der als erster deutscher Politiker überhaupt diese Entschuldigung ausspricht – und dennoch das leere Grab nicht mit den geraubten Gebeinen der Verstorbenen füllen kann. Dass die Museumsdebatten, die auf tansanischer Seite durchaus im Film präsent sind, auf deutscher Seite eine spürbare Leerstelle bilden, gehört zu den stillen, aber wirkungsvollen Aussagen des Films. Er benennt diese Asymmetrie nicht anklagend, sondern macht sie durch sein Erzählen sichtbar. Dem Film „Das leere Grab“ gelingt es, der globalen Debatte um Restitution eine zutiefst menschliche Dimension zu geben und zugleich die politische Komplexität des Themas nicht zu verschweigen. Ein wichtiger und überfälliger Film.

Provokation Tod versus Auferstehung

Zum Osterfest fragen Conny&Kurt in ihrem Podcast, was ist eigentlich Auferstehung? Pfarrer Helwig Wegner, Frankfurt, antwortet sehr persönlich. Er hält es mit Dorothee Sölle, die davon sprach, dass wir im Tod wie ein Wassertropfen im Meer aufgehen. Wegner: „Ich werde, wenn ich sterbe, ein Tropfen im Meer Gottes sein. Damit kann ich mich anfreunden. Ich verliere meine persönliche Identität, aber es wird aufgehoben in einem großen Zusammenhang. Der Tropfen bleibt Wasser, hat aber nicht mehr die Last einer Individualität zu tragen.“ Doch Pfarrer Wegner mag nicht ausschließen, dass er in kritischen Situationen auch auf „ganz infantile Vorstellungen“ zurückgreife.

Die Religionen haben unterschiedliche Vorstellungen entwickelt. Selbst innerhalb des Christentums und ja auch innerhalb einer Konfession gibt es widersprüchliche Vorstellungen. Es sei ein Wechselbad der Möglichkeiten und Meinungen, meint Wegner.

Es werde alles Mögliche gedacht, „denn der Tod ist eine Provokation für einen lebenden Menschen. Alles ist weg. Das können Menschen nicht wahrhaben.“ Folglich müsse es eine Form des Weiterlebens nach dem Tod geben. Weit verbreitet sind die Vorstellungen, dass es eine Auferstehung mit Haut uns Haaren gibt und alle sich wiedersehen. Daneben existiert die Vorstellung, dass die Seele aufersteht. Welche Bilder wirklich tragen, hänge immer von den jeweiligen Lebensumständen ab, etwa ob man gerade einen Verlust erlebe oder die Geburt eines Kindes. Der Kontext spiele eine bedeutende Rolle.